Probiotika stärken die Darmflora

Vor allem antibiotisch behandelte Patienten in Krankenhäusern erkranken häufig und teilweise wiederkehrend an Darmentzündungen, die das Bakterium Clostridium difficile auslöst. Die meisten Infektionen verlaufen mit leichten bis mittelschweren Symptomen, gefürchtet ist aber die potentiell tödlich verlaufende pseudomembranöse Kolitis. Probiotika können die Darmflora während einer antibiotischen Behandlung unterstützen, damit sich Clostridium difficile nicht unkontrolliert ausbreiten kann. Bei wiederkehrenden Infektionen mit dem Bakterium kann eine Fäkaltransplantation das gesamte Darmmikrobiom regenerieren.

Im letzten Jahrzehnt haben Infektionen mit Clostridium difficile stark zugenommen. Clostridium difficile ist ein Gram-positives, anaerobes Bakterium, das hauptsächlich über die Nahrung in den Körper gelangt. Die meisten gesunden Menschen beherbergen das Bakterium völlig symptomfrei, geschwächte oder ältere Menschen können aber an den Toxinen erkranken, die das Bakterium produziert. Ausgehend von den USA breitet sich seit etwa 15 Jahren ein neuer Clostridium difficile-Typ aus: der NAP1-Stamm. Die Abkürzung steht für North American Pulsed field type 1, in Europa wird der Stamm auch als R027 bezeichnet. Durch eine kleine Mutation ist seine Virulenz sehr viel höher als die der herkömmlichen Stämme. Der Grund: Die Mutation lässt das Bakterium 16 mal mehr Toxin A und 23 mal mehr Toxin B produzieren als andere Clostridium difficile-Stämme.

Vor allem antibiotisch behandelte Krankenhauspatienten betroffen

Clostridium difficile ist einer der häufigsten Krankenhauskeime. Er schwächt dort vor allem Patienten, bei denen Antibiotika oder Chemotherapien die schützenden Bakterienarten der Darmflora zurückgedrängt haben. Die Symptome einer Clostridium difficile-Infektion reichen von leichten Durchfällen bis zur potentiell tödlich verlaufenden pseudomembranösen Kolitis.

Bei der pseudomembranösen Kolitis verbindet sich das Fibrin aus der entzündeten Darmwand mit den Granulozyten und zerstörten Darmzellen zu einer weißen Schicht. In der Folge erschlafft der Darm und weitet sich aus, ein toxisches Megacolon entsteht. Im betroffenen Darmabschnitt vermehrt sich Clostridium difficile noch stärker als im übrigen Darm und löst die Darmwände schließlich auf. Die sich ausbreitenden Bakterien können eine tödlich verlaufende Sepsis verursachen.

Der beste Schutz ist eine intakte Darmflora

Der beste Schutz gegen eine Infektion mit Clostridium difficile ist eine intakte Darmflora. Bei einer akuten Infektion helfen zwar Antibiotika gegen Clostridium difficile, sie verringern die Biodiversität der Darmflora aber weiter. So lässt sich zwar eine aktuelle Clostridium difficile-Infektion zunächst bekämpfen, die Therapie macht den Körper aber anfällig für weitere Infektionen mit dem toxinbildenden Stäbchenbakterium. Probiotika wirken dem entgegen, indem sie dem Darm schützende Bakteriearten zuführen und so die Verbreitung von Clostridium difficile eindämmen.

Probiotika können Erstinfektion vermeiden

Eine Metaanalyse1 hat jetzt die Ergebnisse aus 17 randomisierten, kontrollierten Studien zum Einsatz von Probiotika gegen Clostridium difficile-Infektionen zusammengefasst. Bei allen betrachteten Studien nahmen die Patienten die probiotischen Bakterien zusätzlich zur antibiotischen Behandlung ein, um eine Erst-Infektion mit Clostridium difficile zu vermeiden. Die Studienteilnehmer waren zwischen 55 und 77 Jahren alt, zwischen 40 und 2.981 Teilnehmer waren in die einzelnen Studien eingeschlossen. In jeweils sechs Studien testeten die Wissenschaftler Probiotika mit Laktobazillenarten oder der Hefe Saccharomyces boulardii. In fünf Studien setzten sie Mischungen aus mehreren probiotischen Organismen ein, meist Mischungen aus Laktobazillen und Bifidobakterien.

Das Ergebnis: Behandlungen mit reinen Laktobazillenpräparaten und mit probiotischen Mischungen waren einem Placebo beim Vermeiden von Clostridium difficile-Infektionen überlegen. Der Effekt von Saccharomyces boulardii-Präparaten hingegen entsprach lediglich dem eines Placebos. Die Studienergebnisse legen nahe, allen antibiotisch behandelten Krankenhauspatienten prophylaktisch Probiotika mit Laktobazillen oder probiotischen Mischungen zu verabreichen.

Fäkaltransplantationen – Studienlage noch nicht aussagekräftig

Besonders bei immer wiederkehrenden Clostridium difficile-Infektionen kann eine Fäkaltransplantation helfen, die gestörte Darmflora komplett neu aufzubauen. Dabei übertragen Ärzte das gesamte Mikrobiom eines Spenderstuhls auf den Patienten. In Fallstudien lagen die Erfolgsquoten zwar zwischen 48 und 100 Prozent, die Studienlage ist aber noch zu dünn, um eine abschließende Bewertung treffen zu können. Bei den meisten Studien fehlen die Langzeitdaten, was die Beurteilung der Fäkaltransplantation zusätzlich erschwert. 

Auf den Punkt gebracht:

  • Clostridium difficile gelangt meist über die Nahrung in den Körper.
  • Geschwächte oder ältere Menschen können an den Toxinen erkranken.
  • Symptome: von leichten Durchfällen bis zur potentiell tödlich verlaufenden pseudomembranösen Kolitis
  • Vor allem antibiotisch behandelte Krankenhauspatienten sind betroffen.
  • Der beste Schutz ist eine intakte Darmflora.
  • Eine Metaanalyse zeigte: Probiotika (reine Laktobazillenpräparate und probiotische Mischungen) können Erstinfektion mit Clostridium difficile verhindern.
  • Bei Fäkaltransplantationen ist Studienlage noch nicht aussagekräftig.

Literatur:

1) Butler M, Olson A, Drekonja D, Shaukat A, Schwehr N, Shippee N, Wilt TJ. Early Diagnosis, Prevention, and Treatment of Clostridium difficile: Update. Rockville (MD): Agency for Healthcare Research and Quality (US); 2016 Mar.


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